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Kampfkunst der Achtsamkeit

Achtsamkeit im Alltag:
Von Buddhas Lehre zur „Me-Time“

Das Thema Achtsamkeit hat in den letzten 50 Jahren eine erstaunliche Popularität erlangt. Der Begriff begegnet uns im Alltag genauso wie in Medizin, Pädagogik oder den Neurowissenschaften. Es ist quasi ein kulturelles Phänomen. Wir wollen klären, was genau dahintersteckt, woher diese Haltung stammt und wie wir Achtsamkeit für uns nutzen können.

Achtsamkeit - Me-Time

1. Was bedeutet Achtsamkeit überhaupt?

Die Bezeichnung Achtsamkeit (mindfulness) wird einerseits als mentaler Zustand bezeichnet. Und andererseits als die Fähigkeit diesen Zustand zu erzeugen und aufrechtzuerhalten. Dabei wird der Moment in einer offenen Haltung erlebt, ohne dass das Erlebte bewertet wird.  Das klingt anfangs sehr theoretisch. Doch was damit gemeint ist, ist ganz simpel: Achtsamkeit zielt darauf ab, mehr im Jetzt und Hier zu leben. Jetzt stellt sich natürlich die Frage: Tun wir das nicht längst?

2. Warum sind wir nicht achtsam?

In unserer schnelllebigen Welt, die geprägt ist von Vorurteilen, Abneigung, Multitasking und Gier fällt es schwer die eigenen Gedanken, Gefühle und Absichten zu erkennen. Es ist schwierig die Bewertungen – die uns in vielen Lebenssituationen automatisch in den Sinn kommen – genauso schnell wieder loszulassen. Besonders schwer fällt es uns das ständige Vergleichen mit anderen abzustellen.

Ein Beispiel für einen typischen Achtsamkeitsfehler

"Der Freund aus dem Sportverein fährt schon wieder auf Urlaub - wie kann der sich das bloß leisten?" Oder ganz typisch in sozialen Netzwerken: "Die Frau auf Instagram sieht immer so gut aus, erlebt tolle Augenblicke und ist immer glücklich – ich wünschte ich hätte ihr Leben." Ein typischer Achtsamkeit-Fehler. Ein weiterer ist das ständige Hetzen – und sei es nur in Gedanken. Während du einen Kaffee trinkst, visualisiert du schon die nächste Aufgabe (Meeting, Wocheneinkauf, E-Mail…) und denkst "Ich muss los"!  Erwischt. Auch hier lebt man nicht im Moment.

Das große Ziel: mehr Gelassenheit entwickeln

Bei einer achtsamen Lebensweise geht es darum, dem Moment mehr Aufmerksamkeit zu schenken. In dem Beispiel von oben also einfach den Kaffee zu genießen. Dazu ist es wichtig, unbewusste Routinen abzulegen und das Gedankenkarussell zu stoppen. Ziel ist es, mehr Gelassenheit zu entwickeln.

Achtsamkeitsübungen können dazu beitragen, sich solcher Dinge bewusst zu werden. Dazu ist es wichtig, einmal in sich hineinzuhorchen und hineinzufühlen. Das beginnt mit ganz einfachen Fragen: Was mache ich gerade? Wie mache ich es? Und wie fühle ich mich dabei?

3. Woher kommt das Konzept der Achtsamkeit?

Das Konzept der Achtsamkeit hat seine Ursprünge im Buddhismus und ist seit mehr als 2500 Jahren bekannt. Auch der Hinduismus pflegt Jahrtausende alte Traditionen um Wege zur Achtsamkeit aufzuzeigen. Übrigens: Im Chinesischen bedeutet das Wort Achtsamkeit sowohl Bewusstheit als auch Herzlichkeit und Mitgefühl.

Wenn Achtsamkeit heutzutage bei uns praktiziert wird, dann auf Grund des Molekularbiologen Jon Kabat-Zinn. Er gilt als Vater der modernen Achtsamkeitspraxis in den westlichen Kulturen. Kabat-Zinn lehrte an der University of Massachusetts und entwickelte Ende der 1970er-Jahre das medizinische Achtsamkeitstraining MBSR (Mindfulness-Based Stress Reduction), zu Deutsch: "Stressbewältigung durch Achtsamkeit".

Achtsamkeit - bewusst atmen

Wichtig: Achtsamkeit hat heute nichts mehr dem ursprünglichen buddhistischen-spirituellen Kontext zu tun. Achtsamkeit ist keine Religion oder Ideologie. Es ist vielmehr eine Möglichkeit. Eine Art Training der eigenen Geisteshaltung mit dem Ziel, negative Konsequenzen, die durch unsere eigene Vorstellung entstehen zu erkennen und umzuwandeln. Durch Achtsamkeit gelingt es im Moment zu leben. Die beliebte „Me-time“ – was nichts anderes bedeutet als sich Zeit für sich selbst zu nehmen – ist im Grunde eine simple Achtsamkeitsübung.

4. Wie kann ich Achtsamkeit trainieren?

Gratuliere! Den ersten Schritt hast du schon gemacht. Denn schon die Beschäftigung mit dem Konzept der Achtsamkeit ist ein großer Meilenstein zur positiven Beeinflussung des eigenen Bewusstseins.

Achtsamkeit kann grundsätzlich auf zwei Wegen erreicht werden. Methodisch durch die Praxis der Meditation oder eher informell, in dem wir im Alltag versuchen unsere Gedanken und unsere damit verbundenen Handlungen bewusst wahrnehmen.

Die Kampfkunst der Achtsamkeit verknüpft beide Zugänge und ergänzt mit Kung Fu eine sportliche Komponente. Zusammenfassend kann man sagen: Die Grundlagen der Achtsamkeit sind die Betrachtung des Körpers, des Empfindens, des Geistes und der Geistesgegenstände.

5. Achtsamkeit: Es gibt auch heftige Kritik

Wie bei allen komplexen Themen gibt es auch in punkto Achtsamkeit Kritiker. So wird die Achtsamkeitsströmung auch vielfach problematisiert: Der Vorwurf lautet demnach, dass es sich bei den Achtsamkeitspraktiken um eine Form der „Selbstbezogenheit“ oder des Narzissmus handele, die entsprechend zu einer Entpolitisierung führen würden.

Flucht aus den Zwängen unserer Gesellschaft?

Achtsamkeit bestehe so in einer Flucht vor den gesellschaftlichen Unbehaglichkeiten und in einer vermeintlich tröstenden Zuflucht im Inneren des Selbst. So äußerte sich etwa der Soziologe Hartmut Rosa in einem Interview zum Thema. Rückendeckung bekommt er vom britischen Historiker Theodore Zeldin.

Aber keine Sorge die Mehrheit der aktuellen Forschung bestätigt die positiven Effekte dieser Geisteshaltung. Achtsamkeit kann deswegen als eine Grundlage für ein besseres Wohlbefinden, Selbststeuerung und ein soziales, nachhaltiges Miteinander angesehen werden.

Quellen: Achtsamkeit als kulturelle Praxis (Jacob Schmidt), Mindfulness in Addiction Treatment (Götz Mundl), Entspannt im Hier und Jetzt (Spiegel Artikel)

Trainingsplan

Dienstag im 4. Bezirk
Wiedner Gürtel 68, 1040 Wien
19:00-21:00 Uhr

Donnerstag im 2. Bezirk
Zirkusgasse 35, 1020 Wien
18:00-20:00 Uhr

Freitag im 22. Bezirk
Stadlauerstr. 4, 1220 Wien
16:30-18:00 Uhr

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