Fünf Plattformen
des Zhong Xin Dao Lernansatzes
Um Praktizierenden den Schritt vom theoretischen Verstehen zur eigenen Erfahrung zu erleichtern, entwickelte GM Sam F.S. Chin die »Fünf Plattformen« – Wissen, Natur, Erkennen, Aufmerksamkeit und Kontakt. Sie sind ein modernes Strukturmodell des Zhong Xin Dao I Liq Chuan. Wie alles im Zhong Xin Dao basieren sie auf Erfahrungen der inneren Kampfkünste sowie aus Leitgedanken verschiedener philosophischer Schulen, wurden jedoch als didak- tisches Konzept entwickelt. Ziel ist es, Theorie in persönliches Verstehen und unmittelbare Wahrnehmung im Moment zu überführen.

1. Plattform:
Die drei Wissensarten (Knowledge)
- Wissen von anderen: Informationen aus zweiter Hand. Das sind Grundlagen, die man durch Zuhören oder Lesen aufnimmt. Wissen von anderen oder aus Büchern ist wichtig, um die Prinzipien zu verstehen und dient aber vor allem als Wegweiser für die eigene Praxis.
- Wissen durch Denken: Informationen, die wir durch eigenes Nachdenken und Hinter- fragen verarbeitet haben.
- Wissen aus direkter Erfahrung: Weisheit aus erster Hand, das Erkennen der Ge- gebenheiten, erfordert stabile Achtsamkeit, ohne auf alte Erfahrungen zurückzugreifen.
2. Plattform:
Die Gesetze der Natur (Nature)
Um im Training wirklich »präsent« zu bleiben, richten sich Praktizierende nach dem, was im Zhong Xin Dao I Liq Chuan als grundlegende Naturgesetze angesehen wird.
- Ständiger Wandel: Das Anerkennen von Impermanenz, im Daoismus als Wandel und im Zen als Vergänglichkeit bekannt. Nichts steht still in unserer Welt. Keine festen Formen: Nichts existiert für sich allein oder als starre Einheit. Alles entsteht durch das Zusammenspiel verschiedener Einflüsse.
- Das 1-2-3-Prinzip: Gegensätzliche Kräfte (wie Yin und Yang) ergänzen oder stoßen sich ab. Um im Gleichgewicht zu bleiben, muss man den Gleichgewichts-Punkt im Hier und Jetzt finden, die Trennlinie zwischen Yin und Yang, die beide Kräfte voneinander trennt, sie aber auch verbindet.
3. Plattform:
Die Qualität des Erkennens (Knowing)
Erkennen bedeutet, Unterschiede wahrzunehmen, ohne sie zu beurteilen.
- Objektive Beobachtung: Ursache und Wirkung jeder Bewegung in Echtzeit erkennen.
- Ausgewogenes Handeln: Wer eine ausgeglichene Ursache setzt, erhält auch eine ausgeglichene Wirkung. Alles bleibt in Balance.
- Bezugspunkte: Man sollte seine Aufmerksamkeit auf einen neutralen Bezugspunkt innerhalb des Körpers richten. Neutral bedeutet in diesem Sinne immer den Ausgleich von Yin und Yang, wie die zentrale Achse des Körpers, die Kräfte bewegen sich darum, ähnlich wie die Speichen um eine Radnabe. So bleibt der Geist im Hier und Jetzt, und es wird verhindert, dass man in alte Gewohnheiten oder Erinnerungen zurückfällt.
4. Plattform:
Aufmerksamkeit und Geist (Attention)
Geistiges Training bedeutet, die Aufmerksamkeit stabil zu halten und gezielt zu lenken (Yì, Qì und Lì).
- Singulärer Fokus: Der Geist konzentriert sich immer nur auf eine Sache zur selben Zeit. Im Training wird ein neutraler Bezugspunkt geistig fixiert, um zu verstehen, wie dieser die gesamte Bewegung beeinflusst.
- Bewusstes Training: Es gilt darauf zu achten, ob man wirklich aktiv wahrnimmt, was im Zentrum und im Außen passiert – oder ob man nur in alte, erlernte Bewegungsmuster zurückfällt.
- Klarheit durch Ausbalancierung: Genau wie die Augen sich immer neu scharf stellen müssen, muss auch der Geist sich ständig ausbalancieren, um im Hier und Jetzt präsent zu bleiben.
5. Plattform:
Der Kontaktpunkt (Contact)
Der Kontaktpunkt meint die Schwelle der Sinne – wo äußere Einflüsse zur subjektiven Wahrnehmung werden. GM Sam Chin weist immer wieder darauf hin, dass Wahrnehmung erst in uns entsteht. Es erinnert daran, die Achtsamkeit aufs Innere zu richten und von dort auszudehnen. So ändert sich die Sicht auf die Dinge. Aus: »Jemand greift mich an« wird: »Ich werde angegriffen«. Der Praktizierende erkennt, das alles von seiner eigenen Wahrnehmung abhängt.
- Die sechs Sinne: Wir nehmen Kontakt nicht nur durch Berührung auf, sondern über alles, was wir sehen, hören, riechen, schmecken, fühlen und denken.
- Der innere Empfänger: Man muss lernen, Sinnesreize als interne Signale zu verarbeiten. So verhindert man, dass die Aufmerksamkeit nach außen »abwandert« und man die Mitte verliert.
- Verschmelzung: Wenn der Kontaktpunkt stabil ist, verschmilzt man selbst mit der Situation zu einer Einheit. Man nimmt die Energie direkt wahr und handelt aus dem Moment heraus.
Während einer physischen Konfrontation drohen viele Faktoren unsere geistige Disziplin zu beeinträchtigen und setzen so die Fähigkeit herab, eine angemessene Handlung umzusetzen. Im Zhong Xin Dao I Liq Chuan ist es das Ziel, sich loszusagen von Angewohnheit, Reflex und der Ver- wendung von vorgefertigten Techniken. Die 13 Punkte sind die »gegenwärtigen« oder auch »lebendigen« Punkte der Bewegung, welche sich ständig verändern und deshalb ständig mit Yin und Yang ausbalanciert und mit den bestehenden Bedingungen des jeweiligen Augenblicks harmonisiert werden sollen.
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